|
Stimmführer II. TENOR:
|
Rainer Krahn
|
Sänger im II. TENOR
|
Joachim Harter, Stuttgart
Rainer Krahn, Stuttgart
Hermann Wildermuth, Schorndorf
Norbert Fallaschek,
Stuttgart
|
Kurt Heckeler,
Remseck
Erich Ohlig, Stuttgart
Hubert Vogel, Stuttgart
|
|
Bei unseren
Auftritten begleitet uns Andreas Bähr,
Chorleiter im Kolpingchor Bad Cannstatt, auf dem Flügel
oder Klavier.
.
Nur eine Frau drunter, aber die
gibt den Ton an
Von Sabine Reichle (Winnender Zeitung)
Gruppen, die neugierigen Auges durch Winnenden ziehen, gibt es ja zuhauf:
Vom Feuerwehrmuseum über den Marktplatz zum Jakobusaltar, dazwischen eine
gemütliche Einkehr auf ein Viertele. Den Herren, samt weiblicher
Gefolgschaft freilich, die am Wochenende die Stadt besuchten, gebührt
selbst ein bisschen Aufmerksamkeit. Wann hat man schon zwei Dutzend Meister
der Bauzunft zu Gast. Zudem solche, die nicht nur als Architekten oder
Ingenieure Bauwerke errichten, sondern in ihrer Freizeit als Tenor und Alt
kleine Meisterwerke des Gesangs in die Welt trillieren:
Der "Singchor Bauhütte Stuttgart 1880" gab sich die Ehre, am
Bahnhof erwartet von den Winnender Bauhüttemitgliedern Karl-Eugen
Riedlinger und Viktor Nachtrieb. Wer bei Bauhütte an die legendären
Institutionen denkt, die Bauwerke wie das Ulmer Münster schafften, liegt
nicht ganz falsch. Geometer Bernhard Maurer, seines Zeichens im Vorstand
der Sangesfreunde, erzählt beim zweiten Frühstück im Feuerwehrmuseum aus
der Geschichte des Chores und der Vereinigung der Schaffenden im
Bauhandwerk. 1860 wurde die "Bauhütte Stuttgart" gegründet. Die
Mitglieder hatten sich den Idealen der Weiterentwicklung in der Baukunst
verschrieben, verstanden sich als Forum, in dem sich Männer verschiedener Professionen
austauschen konnten. Heute hat der Bund Deutscher Baumeister, Architekten
und Ingenieure bundesweit rund 26.000 Mitglieder. Immer noch stehe der Austausch und die Geselligkeit im Vordergrund,
berichtet Maurer.
Nach der Gründung der "Bauhütte Stuttgart" dauerte es keine 20
Jahre, bis sich die Mannen auch in geselliger Runde zum Singen trafen.
Exklusiv im Gründungsjahr - der Singchor war damals schon der einzige
Baumeister-Chor Deutschlands - exklusiv im Jahr 2003: Die singenden
Bauleute sind auch heute noch einzigartig. Was, so sieht es Maurer, auch
eine besondere Verpflichtung sei: Ein Männerchor wollen sie bleiben, auch
wenn der Nachwuchs immer mehr ausbleibt. Einzig an ihrer Spitze dulden sie
eine Frau. Die auserwählte Regine Eccard darf
freilich die Mannen anführen und als Dirigentin den Ton vorgeben.
Zurück ins Feuerwehrmuseum, Helmut Pflüger steht mit zwei Helferinnen
längst parat, um die Sängerschar zu begrüßen. Brezeln werden dick mit
Butter bestrichen, der Trollinger gluckert ins Viertelesglas.
Die Kehlen wollen geschmiert sein, der Tag wird lang. Die Mannen danken es
den gastfreundlichen Winnendern: "Treu der Baukunst immerdar"
schmettern sie in die Morgenluft und heben das Glas zum Auftakt eines
Winnender Tages.
Heute nämlich wollen sie nicht ans Schaffen denken. Das Singen, so weiß es
Viktor Nachtrieb, Winnender Architekt und als erster Tenor heuer für den
jährlichen Ausflug zuständig, sei nämlich auch "eine Ablenkung vom
täglichen Geschäft". Dabei treffen Bauleute ja stets auf Zeugnisse
ihrer Kunst: Der wunderbar zum Feuerwehrmuseum umgebaute alte Güterbahnhof,
ein Zeugnis aus dem Jahr 1875, steht unter Denkmalschutz, die
Schlosskirche, die mittags auf dem Programm steht, ist ebenfalls ein
architektonisches Kleinod. Und auch durch die Dachziegelwerke Pfleiderer
werden die Herren offenen Auges gegangen sein. Von der Kunst ein Dach zu
decken könnten sie im wahrsten Sinne des Wortes ein Lied singen.
Eines aber sind sie heute: Gänzlich frei vom Stress der Baustellen, befreit
vom Druck der Bauherren. Vorerst nippen sie am ersten Viertele und lauschen
dem, was ihnen Pflüger in seiner unnachahmlichen Art zum Besten gibt. Und
im Haus der Feuerwehr, da können nicht nur die kleinen Buben staunen. Da
gehen selbst gestandenen Männern und mitgereisten Frauen die Augen über.
Drehleitern, Löschfahrzeuge aus dem vorletzten Jahrhundert, lederne
Löscheimer aus Tailfingen, mit denen die tapferen
Männer anno 1869 versuchten, dem Feuer zu wehren. In Vitrinen kann einer
die Zeitläufe an Hand der Brandmeldegeräte ablesen: Von den Alarmtrommeln
unserer Ururgroßväter zu den modernen
Brandmeldern. Kinder, wie die Zeit vergeht, Pflüger schmunzelt und erzählt,
dass in seiner Jugendzeit noch das Alarmhorn im Einsatz war:
"Feuerwehr komm schnell herbei, es brennt, es brennt!" Geschichte
ist auch der Herr auf dem Bild, das die Feuerwehr im letzten Jahr aus den
Fluten der Flüsse gerettet hat. Walter Ulbricht schwamm ihnen beim Abpumpen
entgegen. "Nehmen sie ihn mit", meinte der Besitzer trocken,
"wir haben ihn lange genug gehabt." Die Sänger gucken und staunen
und heben zum Dank nochmal an: "Meister, gib
Geld zu Wein und Bier. Das ist der Gesellen beste Manier."
|